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Wasser, Sand und Löschschaum hinterlassen nach dem
Brand zusätzlich Schäden. Ein neuer Feuerlöscher arbeitet sauber mit einem elektrischen Feld.
Löschschaum hinterlässt seine Spuren, der Elektro-Feuerlöscher nicht. Die neue Methode funktioniert allerdings nur bei kleineren Bränden.
Harry Potter und sein Widersacher Lord Voldemort versuchen, sich mit heißen, gleißend hellen Blitzen aus ihren Zauberstäben zu atomisieren. Ludovico Cademartiri von der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) schwebt das Gegenteil vor: ein Zauberstab, der Flammen und Hitze auslöscht. Präsentiert hat er seine Entwicklung jüngst auf einer Tagung der Amerikanischen Chemischen Gesellschaft. Auch wenn keine wirkliche Wunderwaffe gegen flammende Infernos zu erwarten ist, so könnte der neue Elektrolöscher doch in einigen Bereichen die klassischen Verfahren ersetzen.
Im Gegensatz zu Wasser, Sand, Kohlendioxid, Löschschaum und -pulver wäre dies das erste nichtstoffliche Löschmedium: Es arbeitet mit einem starken elektrischen Feld, das Flammen binnen Sekunden verschwinden lässt. Die neue Löschtechnik könnte zum einen weniger unerwünschte Nebenwirkungen wie etwa Wasserschäden entfalten und dürfte umweltfreundlicher sein. Andererseits könnte sie die Brandbekämpfung für Feuerwehrleute etwas sicherer machen, weil sie aus einiger Entfernung möglich ist. Auch eine automatische ferngesteuerte Brandbekämpfung ist denkbar.
Die Forscher um Ludovico Cademartiri hatten im Labor mit einem Generator und einer stabförmigen Sonde ein elektrisches Feld um eine etwa 30 Zentimeter hohe Flamme generiert. Bei einer Leistung von 600 Watt habe sich die Flamme augenblicklich „auspusten“ lassen, sagt Cademartiri.
Der Erfolg habe sich mehrfach zuverlässig eingestellt. Zum Vergleich. Kochfelder von Elektroherden haben um 1200 bis 2200 Watt. Der Chemiker vermutet, dass auch eine deutlich niedrigere Leistung, etwa 60 Watt, ausreichen könnte. „Unsere Forschung hat gezeigt, dass wir mit elektrischen Feldern Flammen sehr rasch unterdrücken können“, resümierte der Forscher auf der Tagung.
Die Natur des Feuers ist noch immer wenig erforscht
Cademartiris Team knüpft an eine 200 Jahre alte Beobachtung an: Elektrizität beeinflusst die Form von Flammen, ein elektrisches Feld vermag sie zu beugen und zum Flackern zu bringen – oder zum Erlöschen. Wie das zu erklären ist, war lange unbekannt. Auch heute sind die komplexen Vorgänge in Feuer und Flamme nicht ganz verstanden. Die Verbrennung ist zwar einer der wichtigsten chemischen Prozesse und von immenser wirtschaftlicher Bedeutung, zugleich aber auch von Forschern vernachlässigt – oder wegen der Komplexität gemieden.
„Die Natur des Feuers zu verstehen, ist eine sehr große Herausforderung“, sagt Cademartiri. Der Harvard-Wissenschaftler vermutet als Kern der Antiflammenwirkung die elektrische Aufladung von Rußpartikeln in Flammen. Solche geladenen Teilchen lassen sich mit elektrischen Feldern dirigieren (siehe Kasten) – und mit ihnen offenbar die gesamte Strömung der Gase in der Flamme.
Quelle: Welt Online
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